Schule in Brütten

Das Zürcher Volksschulwesen entwickelte sich nur langsam über die Jahrhunderte. Ab dem 17. Jahrhundert sind Schulmeister in Brütten nachgewiesen. In den letzten Jahrzehnten wurde die Schulinfrastruktur massgeblich erweitert.

von Annina Sandmeier-Walt

Schon im 17. Jahrhundert gab es in Brütten ein Schulhaus. 1710, 1862 und 1972 folgten Neubauten an verschiedenen Standorten. Die ersten Schulhäuser waren Mehrzweckgebäude. Sie dienten etwa für Trauungen, als Arrestlokal, später auch für Abstimmungen und Gemeindeversammlungen.1

1 Das 1862 erbaute alte Schulhaus im Oberdorf mit dem Pausenplatz vor der Bäckerei. Bis 1970 wurde hier die Primarschulkinder unterrichtet, anschliessend befand sich im Gebäude der Kindergarten. Seit 2016 befindet sich hier die Kinderchrippe Chrüsimüsi. Foto: Bruno Dürmüller.

Die Kirche prägt die Schule

Die ersten Nachrichten zum Brüttener Schulbetrieb stammen aus dem Jahr 1631.2 Damals besuchte nur die Hälfte der 75 Kinder und Jugendlichen in Brütten den Schulunterricht, denn die Schulpflicht wurde erst im 19. Jahrhundert eingeführt. Die Schulmeister in der frühen Neuzeit stammten aus dem Dorf, sie trugen typische Brüttener Namen wie Baltensperger, Trindler oder Egli.

Die Schule war bis ins 19. Jahrhundert eine kirchliche Aufgabe. Die Lehrer waren dem Pfarrer unterstellt, von Amtes wegen hatten sie einen eigenen Sitz in der Kirche und der Unterricht war auch inhaltlich durch die Bibel geprägt. Das Schlussexamen umfasste eine Prüfung im Katechismus. Wer bestand, erhielt ab 1638 zur Belohnung einen Examenweggen.3

2 Die Oberschule der Primarschule Brütten 1931. Die Lehrpersonen im 20. Jahrhundert kamen wie Johannes Fisch (mit Krawatte) meist von auswärts, blieben aber zuweilen über Jahrzehnte in Brütten. Fisch war Mitautor der Brüttener Ortsgeschichte von 1972. Bild: StAZH W I 90.4159.

3 Unterschule der Primarschule Brütten 1950 mit der Lehrerin Frau Gysin. In Brütten wurden damals zwischen 20 und 40 Kindern unterschiedlichen Alters in einer Klasse unterrichtet. Bild: StAZH W I 90.24745.

Reformen im Schulwesen

Nach einer gründlichen Reform des Zürcher Schulwesens wurde 1831 in Brütten erstmals eine Schulpflege gewählt, die den Unterricht mit geregeltem Stundenplan, Prüfungen der Schülerinnen und Schüler sowie Lehrpersonen beaufsichtigte.4 1906 erfolgt die Teilung der Schule in eine Unterschule bis zur dritten Klasse und eine Oberschule (4. bis 8. Klasse) mit zwei Lehrstellen. Fortan unterrichteten die Lehrpersonen je zwischen dreissig und fünfzig Kinder. Mitte des 20. Jahrhunderts wurden Körperstrafen mit «Stecken» und «Tatzen» immer seltener.5

Jugendliche aus Brütten besuchten ab den 1830er-Jahren die weiterführenden Schulen auf dem heutigen Stadtgebiet von Winterthur, so in Töss. Der lange Schulweg wurde damals zu Fuss, seit den 1920er-Jahren mit dem Velo, im Winter gar mit dem Schlitten zurückgelegt. Seit 2004 wechseln die Jugendlichen für die Oberstufe nach Nürensdorf.

4 Bau der Mehrzweckhalle 1971. Bild: ETH-Bibliothek Zürich, Bildarchiv / Com_F71-21616.

5 Aktuelle Ansicht der Schulanlage Chapf (rechts) mit Blick auf das Oberdorf mit Kirche. Foto: Bruno Dürmüller.

Ausbau der Bildungsinfrastruktur

Mit dem Bevölkerungsanstieg ab 1960 genügte der Schulraum nicht mehr. 1970 startete der Betrieb in der neuen Primarschule im Chapf. Ins alte Schulhaus zogen dann die neu eröffnete Gemeindebibliothek, die Gemeindekanzlei und der Kindergarten.6 Heute befindet sich dort das «Kinderhaus Chrüsimüsi», der Kindergarten fand 2015 Platz im neuen Schulhaus. 1990 wurde der erste, 2002 der zweite und 2023 der dritte und bis heute letzte Ergänzungsbau mit zusätzlichen Schulzimmern realisiert, mit welchen den stetig steigenden Schülerzahlen begegnet wurde. 1998 entstand in Brütten, zeitgleich mit St. Gallen, der erste öffentliche Waldkindergarten der Schweiz.7

6 Blick ins Kinderhaus Chrüsimüsi im alten Schulhaus von Brütten in 2026. Foto: Bruno Dürmüller.

7 An Brüttens Gemeindegrenze stand über 120 Jahre das evangelische Erziehungsheim Sonnenbühl, das 1979 in ein kantonales Zentrum für Drogenabhängige umgewandelt wurde und seit 2008 ein Durchgangszentrum für Asylsuchende ist. Obwohl auf Oberembracher Boden gelegen, erhielt das Sonnenbühl in Publikationen oft den Zusatz «bei Brütten» wie auf dem Bild zum 25-Jahr-Jubiläum 1888.

https://www.srf.ch/play/tv/-/video/-?urn=urn:srf:video:756244bb-ef3c-4e69-9204-3686c13b669c

7 In der Sendung «Blickpunkt» hielt das Schweizer Fernsehen 1977 einige Meinungen zur Einrichtung des Zentrums für Drogenabhängige fest. Auch Personen aus Brütten nahmen hier Stellung.

Umschlagbild: Das 1862 erbaute alte Schulhaus im Oberdorf mit dem Pausenplatz vor der Bäckerei. Bis 1971 wurde hier unterrichtet. Bild: Ausschnitt aus einer Postkarte, Sammlung Peter Baltensperger.

  1. Johannes Fisch, Die Schule im Wandel der Jahrhunderte, in: Geschichte der Gemeinde Brütten, [Brütten 1972], S. 111–149, hier S. 118. Information zu den Gemeindeversammlungen durch Hansueli Kägi. ↩︎
  2. StAZH TAI 1.562; ERKGA Brütten, IV A 1 a (Teil 1, S. 2–7). ↩︎
  3. Fisch, Schule, S. 117 f. ↩︎
  4. Fisch, Schule, S. 136. ↩︎
  5. Gespräch mit Hansueli Kägi im Juni 2025 und mit Peter Baltensperger im September 2025. ↩︎
  6. Brütten Mitteilungsblatt, 21. Januar 1972 (ohne Seitenzahlen). ↩︎
  7. Birk, Frank Francesco, Der Waldkindergarten, ein Konzept zur Prävention von Entwicklungsstörungen, in: Schweizerische Zeitschrift für Heilpädagogik 26/3, 2020, S.  32–37, hier S. 32. ↩︎