Der Franzosenbrunnen
Er ist nicht nur ein schöner Aussichtspunkt, sondern auch ein Symbol für die Bedeutung des Wassers und ein Mahnmal für schwere Zeiten: der Franzosenbrunnen. Sein Name erinnert daran, dass Brütten am 27./28. Mai 1799 zum Kriegsschauplatz wurde und in der «Franzosenzeit» von 1798 bis 1800 verarmte.
von Cornel Dora
Ohne sauberes Wasser kann der Mensch nicht leben. Auch in Brütten wurden deshalb Quellen gesucht, um sie in Brunnen zu fassen. Und als Speicher für Landwirtschaft und Gewerbe wurden Weiher angelegt. Im 18. Jahrhundert befanden sich je einer auf dem Chapf im Norden, im Brüel im Zentrum und in der Teufe im Süden des Dorfs.1 Von ihnen ist nichts mehr zu sehen. Heute gibt es nur noch den etwas abseits nach Westen gelegenen künstlich angelegten Entenweiher, ein Erholungsraum neueren Datums. Die kleinen Weiher im Neubruch und der noch kleinere im Langacher sind vermutlich natürlichen Ursprungs.

1 Der Franzosenbrunnen spendet nicht besonders viel Wasser, aber dafür zuverlässig. Bild: Cornel Dora.

2 Seit 1962 ist der Franzosenbrunnen in einen Holztrog gefasst. Bild: Bruno Dürmüller.
Eine sichere Quelle
Der am östlichen Rand der Gemeinde im Huebacher bei einer Grillstelle gelegene Franzosenbrunnen gilt als besonders sicherer Wasserlieferant. Bei Trockenheit, wenn andere Quellen versiegen, spendet er immer noch das wertvolle Nass. Unterhalb der gleichnamigen Grillstelle befindet er sich direkt am steilen und zerklüfteten Abhang nach Dättnau und ist seit 1962 in einen Holztrog gefasst. Von hier bietet sich ein schöner Ausblick auf Winterthur.
Franzosenzeit
Der Franzosenbrunnen erinnert an das Gefecht von Winterthur vom 27. Mai 1799 und den Rückzug der Franzosen aus Brütten tags darauf. Dadurch vertrieben zwei österreichische Armeen die Franzosen vorübergehend aus der Ostschweiz. Von der Steig und von Pfungen her kommend besetzten sie nach erbitterten Kämpfen das strategisch wichtige Brüttener Plateau. Die durch Schweizer verstärkten Franzosen vermochten den Vorstoss aus der Richtung von Töss und Dättnau einen Tag lang aufzuhalten, indem ein Luzerner Batallion die Steig verteidigte und die Artillerie der Franzosen vom Huebacher und Wingertenholz aus auf die anrückenden Österreicher feuerten.2 Der Überlieferung nach sollen sie dabei ihre Pferde am Franzosenbrunnen getränkt haben.3 Schliesslich erreichten die kaiserlichen Truppen Brütten am Tag darauf von Pfungen her und fügten den Franzosen dadurch eine herbe Niederlage zu.
Bei Abzug der Franzosen aus Brütten am 28. Mai kam es zu heftigen Plünderungen.4 Überhaupt verarmte Brütten infolge der von 1798 bis 1800 fast ununterbrochenen Besatzung durch Franzosen, Österreicher, Russen und schliesslich wieder Franzosen. Auch ein Mord und eine Vergewaltigung sind überliefert.5 Der Brunnen ist ein Mahnmal für die damaligen schweren Zeiten.
Umschlagbild: Blick vom Franzosenbrunnen auf Winterthur im Winter. Bild: Martin Kuhn.
- Hans Voegeli und Johannes Fisch, Wald, Wasser und Fluren, in: Geschichte der Gemeinde Brütten, [Brütten 1972], S. 197–220, hier S. 206–207; Hedwig Morf, Der Schmiedebrunnen erzählt seine Erlebnisse, Manuskript, Sammlung Hansueli Kägi. ↩︎
- Wikipedia, Gefecht bei Winterthur, https://de.wikipedia.org/wiki/Gefecht_bei_Winterthur (abgerufen 25.05.2026). ↩︎
- Hans Kläui, Vom römischen Landgut zur politischen Gemeinde, in: Geschichte der Gemeinde Brütten, [Brütten 1972], S. 11–78, hier S. 71–73; Voegeli/Fisch, Wald, Wasser und Fluren (Anm. 1), S. 207. ↩︎
- Emil Stauber, Bilder aus der Geschichte der Gemeinde Brütten. Zur Erinnerung an die Einweihung der neuen Kirche, 27. September 1908, Brütten 1908, S. 39. ↩︎
- Kläui, Vom römischen Landgut zur politischen Gemeinde (Anm. 3), S. 72; Notiz von Pfarrer Paul Trüb in der Gemeindechronik Brütten 1923, S. 8, Zentralbibliothek Zürich, G-Ch Brütten, https://www.e-manuscripta.ch/zuzneb/doi/10.7891/e-manuscripta-75743 (abgerufen 27.5.2026). ↩︎