Entenweiher – vom Gletschereis zum Naturparadies
Der Entenweiher in Brütten entstand in der Eiszeit. In den 1950er-Jahren wurde der verwilderte Tümpel in einen Weiher verwandelt, der heute ein Erholungsgebiet für die Menschen und ein geschützter Ort für Fauna und Flora ist.
von Annina Sandmeier-Walt in Zusammenarbeit mit Hansueli Kägi
In der letzten Eiszeit erreichte das Eis des Linth-Rheingletschers einen Maximalstand bis auf die Höhe Brüttens. Als der Gletscher schmolz, blieben unter dem oberflächlichen Moränenmaterial grössere Eisreste zurück, so wohl auch an der Stelle des heutigen Entenweihers. Beim Schmelzen des Eises bildete sich eine Vertiefung, in der sich auf dem lehmigen Untergrund Wasser zu einem Weiher ansammelte, gespeist von einer kleinen Quelle. Vor der Nutzbarmachung landwirtschaftlicher Flächen im grossen Stil, vor allem nach der Melioration in den 1960er-Jahren, gab es mehrere Feuchtgebiete auf Boden der Gemeinde. Flurnamen wie «Moos», «Riet» oder «Sumpf» zeugen davon.


1 Wie der Tümpel zum Entenweiher wurde ist auf Karten vor und nach 1957 gut erkennbar (unterhalb des Flurnamens Sumpf in der Bildmitte). Bild: Siegfriedkarte 1880 1:25’000 (swisstopo), Alte Landeskarte 1:25’000 1956 – 1965 (swisstopo).
Initiative für ein Naturparadies
In den 1950er-Jahren war auf dem Gelände des heutigen Entenweihers ein weitgehend verlandeter Tümpel mit quakenden Fröschen, der auch etwa zur Abfallentsorgung diente. Die Idee, hier ein kleines Naturparadies zu schaffen, geht auf die Initiative von Heinrich Hauser und Ernst Rüdemann zurück. Nicht überall stiess das Vorhaben auf Begeisterung. Doch mit Ausdauer und überzeugenden Argumenten gelang es, die Gemeinde als Besitzerin sowie die kantonale Fischerei- und Jagdverwaltung für das Projekt zu gewinnen.

2 Im Frühling 1956 begannen die Arbeiten: Das Wasser wurde abgelassen und der schlammige Boden ausgehoben. Bis Ende Juli 1957 waren die Aushubarbeiten abgeschlossen, und die parkähnliche Umgebung nahm Gestalt an. Bild: Heidi Fries-Hauser.

3 Auf einem kleinen Inselchen im Weiher entstand ein «fuchssicheres» Entenhäuschen. Ein Rundweg erschloss das nördliche Ufer. Es wurden auch Forellen ausgesetzt und man konnte fischen. Bild: Winterthurer Bibliotheken, Sammlung Winterthur. Foto: Wolfgang Sträuli.

4 Bild einer Abfallgrube auf dem Gemeindegebiet Brüttens in den 1970er-Jahren. Auch der Entenweiher diente als Deponie, bevor er zum Erholungsgebiet wurde. Bild: Winterthurer Bibliotheken, Sammlung Winterthur. Foto: Wolfgang Sträuli.
Ein Tümpel wird zum Weiher
1957 war das Werk vollendet, der Weiher ausgebaggert und mit Wasser gefüllt. Vier Jahrzehnte lang kümmerte sich Heinrich Hauser mit grossem persönlichem Engagement um den «Änti», wie er liebevoll genannt wurde. Er pflegte, verschönerte und überwachte das Gelände. Im Winter prüfte er als selbsternannter Eismeister die Tragfähigkeit des Eises für die Brüttener Jugend.

5 Heinrich Hauser gibt das Eis nach Überprüfung frei. Bild: Heidi Fries-Hauser.
Im Jahr 2000 wurde der Entenweiher durch die Gemeinde saniert und mit einer festen Umrandung aus Alpenkalk versehen. Heute wird das Gelände als kommunales Schutzgebiet von der Gemeinde unterhalten.
Leseempfehlung: Hansueli Kägi, Brütten, [Brütten 2020], ohne Seitenzahlen.
Umschlagbild: Bevor die Brüttener Schule über Turnhallen verfügte, war der Weiher im Winter ein beliebtes Ziel für sportliche Betätigungen im Rahmen des Schulunterrichts, hier Ende der 1950er-Jahre. Bild: Heidi Fries-Hauser.