Die Ruhbank-Eiche im Brüttener Wald

Knapp ein Drittel der Fläche der Gemeinde Brütten besteht aus Wald. Der markanteste Baum ist die Ruhbank-Eiche.

Mit mehr als dreihundert Jahren ist die Ruhbank-Eiche wohl eines der ältesten Lebewesen in Brütten. Der markante Baum befindet sich am Rebweg im Wingertenholz kurz vor dem Abstieg nach Dättnau, wo die Brüttener Bäuerinnen und Bauern bis um 1900 Rebland bewirtschafteten. Dieser Weg war von 1836 bis zum Aufkommen der Velos in den 1920er-Jahren auch der Schulweg der Brüttener Jugendlichen in die Sekundarschule Töss. Gemäss der Überlieferung liegt südlich des Baums ein Friedhof aus der Franzosenzeit.

Rasten unter dem Baum

Der Name der Eiche kommt von einer Bank zum Ausruhen, die sich seit jeher an diesem Ort befindet. Hier sollen die Brüttener Frauen und Kinder gerastet haben, wenn sie von der Arbeit in den Weinbergen in Dättnau heimkehrten. In Brütten wurde wie an vielen Orten im Kanton Zürich früher mehr Wein las heute angebaut. Aufgrund klimatischer Probleme und des Befalls durch die Reblaus wurden jedoch alle Brüttener Rebberge Anfang des 20. Jahrhunderts aufgegeben.

Bedeutung des Forsts für die Gemeinde

Die Ruhbank-Eiche muss schon zur Franzosenzeit um 1800 ein mächtiger Baum gewesen sein. Glücklicherweise hat sie den damaligen rücksichtslosen Holzschlag durch die fremden Truppen überdauert. Der Baumbestand wurde dadurch für Jahrzehnte in Mitleidenschaft gezogen. Erst als 1843 eine nachhaltige Bewirtschaftung des Waldes einsetzte, verbesserte sich die Situation.

In früheren Zeiten hatte der Wald verschiedene Aufgaben. Er lieferte Bau- und Brennholz, aber auch Laub für Matratzen und als Streu für die Tiere, Eicheln für die Schweinemast, und er diente als Jagdrevier. So war er gewissermassen der Notvorrat der Bevölkerung. War einmal Geld nötig, konnte man Bäume fällen und das Holz verkaufen. Bis zur Einführung einer Gemeindesteuer 1960 leisteten denn auch die Einnahmen aus dem Gemeindewald den Hauptbeitrag für die Aufgaben der Gemeindeverwaltung und der Kirchgemeinde.

Der Brüttener Wald heute

Bis heute gibt es in Brütten viel Wald, 200 Hektaren insgesamt, von denen 130 der Gemeinde und 70 privaten Eigentümern gehören. Der Baumbestand ist gut durchmischt, was angesichts des Klimawandels von Vorteil ist. Insbesondere die als schnell wachsendes Bauholz beliebte Rottanne ist bedroht, weil es wärmer und trockener wird. Sie ist aber bei uns ohnehin erst seit wenigen Jahrhunderten so weit verbreitet. Vorher dominierten sogenannte Hallenwälder mit Buchen, Eichen und wenig Unterholz.

Die Wälder sind für die Einwohnerinnen und Einwohner von Brütten ein willkommener Naherholungsraum. Hier werden die Kinder im Waldkindergarten unterrichtet, Sport getrieben, spaziert, ausgeruht, Tiere beobachtet und gejagt sowie Beeren und Pilze gesammelt. Und hier lässt sich auch immer noch die Natur erleben.

Bild: Bruno Durmüller