Die Ruhbank-Eiche im Brüttener Wald
Knapp ein Drittel der Fläche der Gemeinde Brütten besteht aus Wäldern. Zwei Drittel davon gehören der Gemeinde, ein Drittel Privaten. Früher wurde der Forst vielfältig genutzt, heute ist er vor allem Holzlieferant und Erholungsraum. Der markanteste Baum in den Brüttener Wäldern ist die Ruhbank-Eiche.
von Cornel Dora
Rasten unter dem Baum
Mit mehr als dreihundert Jahren ist die Ruhbank-Eiche wohl eines der ältesten Lebewesen in Brütten. Der markante Baum befindet sich am Rebweg im Wingertenholz kurz vor dem Abstieg nach Dättnau. In der Nachbargemeinde bewirtschafteten die Brüttener Bäuerinnen und Bauern bis zum Ersten Weltkrieg Rebland.1 Der Rebweg war von 1836 an, als erstmals ein Brüttener Junge die Sekundarschule in Töss besuchte, auch der Schulweg der Jugendlichen, nachdem sie die Primarschule im Dorf absolviert hatten. Er blieb es bis zum Aufkommen der Velos in den 1920er-Jahren, als die Steig diese Rolle übernahm.2
Der Name der Eiche kommt von einer Bank zum Ausruhen, die sich seit jeher an diesem Ort befindet. Hier sollen die Brüttener Frauen und Kinder jeweils gerastet haben, wenn sie von der Arbeit in den Weinbergen in Dättnau heimkehrten – die geernteten Bohnen auf dem Kopf tragend, wie berichtet wird.3
2 Drohnenflug startend am Stamm der Ruhbank-Eiche am 22. Mai 2026. Video: Martin Kuhn

3 Blick von der Baumkrone der Ruhbank-Eiche in Richtung Winterthur. Foto: Martin Kuhn
4 Anflug auf die Ruhbank-Eiche von Westen herkommend über den Brüttener Wald am 22. Mai 2026. Video: Martin Kuhn
Weinbau
Nicht nur in Dättnau, sondern auch in Brütten selber wurde wie an vielen Orten im Kanton Zürich früher Wein angebaut, und zwar am Birchbuck oberhalb Stürzikon, wo heute noch der Rebhaldweg daran erinnert, und in der Hell unterhalb der Steigstrasse – dort befand sich auch eine Trotte. Aufgrund klimatischer Probleme und des Befalls durch die Reblaus, die im Kanton Zürich erstmals 1886 in Niederrüti bei Winkel-Bülach festgestellt wurde, wurden jedoch alle Dättnauer und Brüttener Rebberge Anfang des 20. Jahrhunderts aufgegeben, als letzte die sogenannten Hellreben, von denen es heisst, dass sie eher sauren Wein gaben.4 Seit der Grenzbereinigung von 1922 befindet sich dieser ehemalige Rebberg auf Winterthurer Boden.5

5 Die Hellreben am Abhang südlich der Steigstrasse auf der Wild-Karte des Kantons Zürich, um 1850. Das Haus direkt oberhalb in der Mitte ist die Trotte. Heute befindet sich hier Wald. Bild: Geoportal Kanton Zürich
Bedeutung des Forsts für die Gemeinde
Gemäss der Überlieferung liegt nördlich der Ruhbank-Eiche ein Friedhof aus der Franzosenzeit.6 Sie muss schon damals, um 1800 ein mächtiger Baum gewesen sein. Glücklicherweise hat sie den damaligen rücksichtslosen Holzschlag durch die fremden Truppen überdauert. Der Baumbestand wurde dadurch für Jahrzehnte in Mitleidenschaft gezogen. Erst als ab dem Jahr 1843 eine bewusst nachhaltige Bewirtschaftung des Waldes einsetzte, verbesserte sich die Situation.7
In früheren Zeiten hatte der Wald zahlreiche Aufgaben. Er lieferte Bau- und Brennholz, aber auch Laub für Matratzen und als Streu für die Tiere, Eicheln für die Schweinemast, und er diente als Jagdrevier.8 So war er gewissermassen der Notvorrat der Bevölkerung. War einmal Geld nötig, konnte man Bäume fällen und das Holz verkaufen. Bis zur Einführung einer Gemeindesteuer 1960 leisteten denn auch die Einnahmen aus dem Gemeindewald den Hauptbeitrag für die Aufgaben der Gemeindeverwaltung und der Kirchgemeinde.9
Der Brüttener Wald heute
Bis heute gibt es in Brütten viel Wald, 200 Hektaren insgesamt, von denen 130 der Gemeinde und 70 privaten Eigentümern gehören.10 Der Baumbestand ist gut durchmischt, was angesichts des Klimawandels von Vorteil ist. Insbesondere die als schnell wachsendes Bauholz beliebte Rottanne ist bedroht, weil es wärmer und trockener wird. Sie ist aber bei uns ohnehin erst seit wenigen Jahrhunderten so weit verbreitet. Vorher dominierten Buchen und Eichen in den Wäldern des Schweizer Mittellands.11
Der Forst ist heute für die Einwohnerinnen und Einwohner von Brütten ein willkommener Naherholungsraum. Hier werden die Kinder im Waldkindergarten unterrichtet, Sport getrieben, spaziert, ausgeruht, Tiere beobachtet und gejagt sowie Beeren und Pilze gesammelt. Hier lässt sich tatsächlich immer noch die Natur erleben.12
Umschlagbild: 1 Ruhbank-Eiche. Foto: Bruno Dürmüller
- Hedwig Morf, Das Leben in der Gemeinde, in: Geschichte der Gemeinde Brütten, [Brütten 1972], S. 151–167, hier S. 157. ↩︎
- Johannes Fisch, Die Schule im Wandel der Jahrhunderte, in: Geschichte der Gemeinde Brütten, [Brütten 1972], S. 111–149, hier S. 145–146. ↩︎
- Morf, Das Leben in der Gemeinde (Anm. 1), S. 157. ↩︎
- Werner Koblet, Kurt Pfenninger, Ulrich Remund und Josef Zweifel, Die Reblaus als Förderin des zürcherischen Rebbaus 1886–1986, hg. von der Volkswirtschaftsdirektion des Kantons Zürich, [Zürich 1986]; Andres Altwegg, Die Reblausinvasion in der Schweiz – Die überschätzte Katastrophe, in: Die Rote. Schweizer Zeitschrift für Obst- und Weinbau 2020, Nr. 1, S. 8–11; [?] Kübler, Die Reblaus im Kanton Zürich, in: Appenzeller Kalender 167 (1888) (ohne Seitenangabe). Zum sauren Wein der Hellreben vgl. Friedrich Baltensperger, Hans Heinrich Girsberger und Adolf Morf, Chronik von Brütten 1903/04, S. 18–19, Zentralbibliothek Zürich, G-Ch Brütten, https://www.e-manuscripta.ch/zuzneb/doi/10.7891/e-manuscripta-75743 (abgerufen 22.5.2026). ↩︎
- Hansueli Kägi, Brütten – Unterwegs im Wald, [Brütten 2022], ohne Seitenangaben. ↩︎
- Elisabeth Isliker, Der Weihnachtsbraten, in: D’Sichle. Mitteilungsblatt der Gemeinde Brütten 182, 19. Dezember 1986. ohne Seitenangaben. ↩︎
- Hans Voegeli, Vom Wald in Brütten, in: Geschichte der Gemeinde Brütten, [Brütten 1972], S. 199–205, hier S. 202–203. ↩︎
- Vgl. Voegeli, Vom Wald in Brütten (Anm. 7), S. 201. ↩︎
- Kägi, Brütten – Unterwegs im Wald (Anm. 5). ↩︎
- Voegeli, Vom Wald in Brütten, (Anm. 7), S. 199; Gemeindedaten von Brütten, https://www.bruetten.ch/gemeindeinzahlen (abgerufen 16.2.2025); Kägi, Brütten – Unterwegs im Wald (Anm. 5). ↩︎
- Bis in die frühe Neuzeit dominierten Buchen und Eichen im Schweizer Mittelland. SPM VI, Die Schweiz vom Paläolithikum bis zum frühen Mittelalter. Vom Neandertaler bis zu Karl dem Grossen, Basel 2005, S. 90; Voegeli, Vom Wald in Brütten (Anm. 7), S. 200. ↩︎
- Voegeli, Vom Wald in Brütten (Anm. 7), S. 205; Kägi, Brütten – Unterwegs im Wald (Anm. 5). ↩︎