Als das Schulhaus auch Arrestlokal war

Bereits vor 400 Jahren besuchten Brüttens Kinder eine Schule im Dorf. Seither hat sich viel verändert.

Schon im 17. Jahrhundert gab es in Brütten ein Schulhaus. Es diente verschiedenen Zwecken, etwa auch für Trauungen, als Arrestlokal oder später auch für Abstimmungen und Gemeindeversammlungen.

Die Kirche prägt die Schule

Die ersten Nachrichten zum Brüttener Schulbetrieb stammen aus dem Jahr 1631. Damals besuchte nur die Hälfte der 75 Kinder und Jugendlichen in Brütten den Schulunterricht, denn die Schulpflicht wurde erst im 19. Jahrhundert eingeführt. Die Schulmeister in der frühen Neuzeit stammten aus dem Dorf, sie trugen typische Brüttener Namen wie Baltensperger, Trindler oder Egli. Die Schule war bis ins 19. Jahrhundert eine kirchliche Aufgabe. Die Lehrer waren dem Pfarrer unterstellt und der Unterricht auch inhaltlich durch die Bibel geprägt. Das Schlussexamen umfasste eine Prüfung im Katechismus. Wer bestand, erhielt ab 1638 zur Belohnung einen Examenweggen.

Reformen im Schulwesen

Nach einer gründlichen Reform des Zürcher Schulwesens wurde 1831 in Brütten erstmals eine Schulpflege gewählt, die den Unterricht mit geregeltem Stundenplan, Prüfungen der Schülerinnen und Schüler sowie Lehrpersonen beaufsichtigte. 1906 erfolgt die Teilung der Schule in eine Unterschule bis zur dritten Klasse und eine Oberschule (4. bis 8. Klasse) mit zwei Lehrstellen. Fortan unterrichteten die Lehrpersonen je zwischen dreissig und fünfzig Kinder.

Jugendliche aus Brütten besuchten ab den 1830er-Jahren die weiterführenden Schulen auf dem heutigen Stadtgebiet von Winterthur, so in Töss. Der lange Schulweg wurde damals zu Fuss, seit den 1920er-Jahren mit dem Velo, im Winter gar mit dem Schlitten zurückgelegt. 1963 gab es mit der Einführung eines Buskurses nach Winterthur dann eine willkommene Entlastung.

Die Oberschule der Primarschule Brütten 1931. Die Lehrpersonen im 20. Jahrhundert kamen wie Johannes Fisch (mit Krawatte) meist von auswärts, blieben aber zuweilen über Jahrzehnte in Brütten. Fisch war Mitautor der Brüttener Ortsgeschichte von 1972. Bild: StAZH W I 90.4159.

1998 entstand in Brütten der erste durch die öffentliche Hand betriebene Waldkindergarten der Schweiz. Ab 2004 besuchten die Oberstufenschülerinnen und -schüler die Oberstufe in Nürensdorf. Seit 2006 sind in Brütten Schulleiterinnen und Schulleiter tätig, die Aufgaben der Schulpflege haben sich seither stark verändert.

Laufender Ausbau der Bildungsinfrastruktur

Mit dem Bevölkerungsanstieg ab 1960 genügte der Schulraum nicht mehr. 1969 wurde das Schulhaus Chapf gebaut, 1971 folgte der Bau der Mehrzweckhallte. Ins alte Schulhaus zogen die damals neu eröffnete Gemeindebibliothek, die Gemeindekanzlei und der Kindergarten. Heute befindet sich darin das Kinderhaus Chrüsimüsi, nachdem der Kindergarten im Jahr 2015 Platz im neuen Schulhaus fand. 1990 wurde der erste, 2002 der zweite und 2023 der dritte und bis heute letzte Ergänzungsbau mit zusätzlichen Schulzimmern realisiert, mit welchen den stetig steigenden Schülerzahlen begegnet wurde.

2. Etappe des Baus der neuen Schulhausanlage mit dem Bau der Mehrzweckhalle im Jahr 1971. Bild: ETH-Bibliothek Zürich, Bildarchiv / Com_F71-21616.

Titelbild: Das 1862 erbaute alte Schulhaus im Oberdorf mit dem Pausenplatz gegenüber der Bäckerei. Bis 1970 wurden hier Primarschulkinder unterrichtet, bis 2015 Kindergartenkinder. Heute befindet sich darin das Kinderhaus Chrüsimüsi. Bild: Hansueli Kägi