Ersterwähnung von Brütten im Jahr 876

Im Jahr 2026 feiert Brütten ein besonderes Jubiläum: 1150 Jahre erste urkundliche Erwähnung. Dieses Ereignis nimmt die Gemeinde zum Anlass, die Geschichte des Dorfs für die Bevölkerung sichtbar, hörbar und begehbar zu machen – von den Anfängen bis zur Gegenwart.

von Annina Sandmeier und Cornel Dora, Historiker und Mitglieder der Arbeitsgruppe Erinnerungsorte

Die letzte umfassende Ortsgeschichte stammt aus dem Jahr 1972. Seither hat sich Brütten stark verändert: Neue Quartiere, wachsender Pendelverkehr, Wandel in Landwirtschaft und Gewerbe. Insbesondere die Geschichte seit 1945 ist bislang nur lückenhaft dokumentiert worden. In den letzten Jahren wurden mit verdienstvollen privaten Initiativen Aspekte aus der Lokalgeschichte festgehalten, die Ergebnisse blieben jedoch meist unveröffentlicht. Zudem wurden Erinnerungen von Zeitzeuginnen und Zeitzeugen aus dem Dorf aufgezeichnet. Alle diese Arbeiten leisten einen wichtigen Beitrag, das historische Wissen im Dorf zu bewahren und weiter nutzbar zu machen.

Gleichzeitig reicht der Blick weit zurück: Neue Funde aus römischer Zeit zeigen, dass Brütten auf eine lange Siedlungstradition zurückblicken kann. Diese Geschichte wird in einem neuen historischen Rundgang durch das Dorf erlebbar gemacht. An zwölf Stationen werden auf Tafeln wichtige Brüttener Erinnerungsorte vorgestellt: Orte, Gebäude und Geschichten. Bilder, Texte und Filmmaterial zur Vergangenheit Brüttens werden mittels QR-Codes online abrufbar sein. Eine Broschüre ergänzt das digitale Angebot. So entsteht auf das Jubiläum hin ein bleibendes Zeitfenster, das Brüttens Geschichte bewahrt und vermittelt. Bis zur Jubiläumsfeier im Sommer 2026 wird in jeder Ausgabe des Dorfblitz ein Aspekt aus der Geschichte Brüttens näher beleuchtet. Als Auftakt werfen wir einen Blick in die urkundliche Ersterwähnung Brüttens aus dem Jahr 876.

Erstmals erwähnt wird «Pritta» in einer in Latein abgefassten Urkunde des Klosters St.Gallen, die heute im Stiftsarchiv St.Gallen erhalten ist. Am 19. Juli 876 schenkte Richgard, eine Frau, ihren in Brütten ererbten Besitz, «Häuser und andere Gebäude, Felder, Wiesen, Weiden, Wälder, Wege, Gewässer und Wasserläufe, bebauten und unbebauten Boden, bewegliche und unbewegliche Güter und alles, was immer erwähnt oder genannt werden kann» dem Kloster St.Gallen. Dafür erhielt sie zusammen mit ihrem Beistand Ruadho Güter des Klosters in Glattburg bei Oberbüren, welche die beiden bis zu ihrem Tod nutzen konnten. Das Kloster St.Gallen war damals eine bedeutende und weit ausstrahlende Institution von europäischer Bedeutung. Der in der Urkunde erwähnte Abt Hartmut gehörte zu den angesehensten Kirchenvertretern seiner Zeit, und der ebenfalls vorkommende Propst Folchart war ein hervorragender Schreiber und Buchmaler.

Titelbild: Stiftsarchiv St. Gallen, Urk. IV 335).