Von «Pritta» zu Brütten – wie die Siedlung zur Gemeinde wurde

Brütten, als «Britten» auf dem Murerplan von 1566 abgebildet (Bildmitte). Zu dieser Zeit ist Brütten als Rechtsperson, also als «Gemeinde», in gerichtlichen Streitigkeiten nachweisbar. (Bild: Wikimedia Commons)

Brütten, als «Britten» auf dem Murerplan von 1566 abgebildet (Bildmitte). Zu dieser Zeit ist Brütten als Rechtsperson, also als «Gemeinde», in gerichtlichen Streitigkeiten nachweisbar. (Bild: Wikimedia Commons)

Aus der mittelalterlichen Siedlung, 876 unter dem Namen «Pritta» erstmals erwähnt, entwickelte sich über Jahrhunderte die eigenständige Gemeinde Brütten.

Unter der Doppelherrschaft des Klosters Einsiedeln und der Stadt Zürich waren die Brüttener im Spätmittelalter abgabepflichtig: Sie entrichteten dem Kloster Zehnten und Grundzinsen in Naturalien und unterstanden dessen Gerichtsbarkeit bei Erbschaften oder Schulden. Für schwere Verbrechen war der Landvogt auf der Kyburg zuständig.

Ein Gemeinwesen entsteht

Gleichzeitig bildeten die Brüttener eine eigene Dorfgemeinschaft, die Entscheide gemeinschaftlich traf. Auf Druck Zürichs verlor das Kloster Einsiedeln ab dem 17. Jahrhundert an Einfluss. Brütten entwickelte sich zunehmend zu einem selbstverwalteten Gemeinwesen innerhalb der Kirchgemeindegrenzen, die auch für die Zivilgemeinde massgeblich wurden.

Brüttens Grenzen

Mit der Neuordnung des Kantons Zürich zu Beginn des 19. Jahrhunderts traten die Bezirke an die Stelle der Landvogteien. Seit 1831 gehört Brütten zum Bezirk Winterthur. 1868 kamen die Höfe Strubikon, Eich und Birch zur Gemeinde, während der Breitehof 1869 an Nürensdorf fiel. 1922 wurde mit dem Hof Obereich die heutige Grenze festgelegt.

Der Grenzstein im Wald südlich des Büechli markiert nicht nur die Grenzen dreier Gemeinden – Brütten, Lindau und Nürensdorf, sondern auch dreier Bezirke: Winterthur, Pfäffikon und Bülach. (Bild: Willy Flammer)

Ausbau für eine wachsende Bevölkerung

Im 20. Jahrhundert wuchsen Aufgaben und Infrastruktur der Gemeinde: Von 1861 bis 1974 wurde die Gemeindeverwaltung von Schreibern im Nebenamt geführt, die Amtsstube war im Haus des Schreibers, zuletzt bei Ferdi Baltensperger an der Unterdorfstrasse. 1975 erhielt Brütten eine vollamtliche Gemeindeverwaltung im alten Schulhaus, 1983 folgte der Neubau des Gemeindezentrums im Brüel. Bis Mitte des 20. Jahrhunderts hatte Brütten kaum mehr als 500 Einwohnerinnen und Einwohner. Heute sind es viermal so viele Personen.

Eine frühe Darstellung des Brüttener Wappens auf einem Feuerlöscheimer von 1725, das ein Rebmesser und eine Pflugschar auf rotem Grund zeigt. Seit 1934 gibt es das heutige Wappen mit der Sichel auf blauem Schild. (Bild: Hansueli Kägi)

Annina Sandmeier-Walt, Historikerin und Mitglied der Arbeitsgruppe Erinnerungsorte