Spuren bäuerlichen Lebens in Brütten

Brütten war bis Mitte des 20. Jahrhunderts stark bäuerlich geprägt. Dies ist bis heute nicht nur an den landwirtschaftlichen Betrieben sichtbar.

von Annina Sandmeier, Historikerin und Mitglied der Arbeitsgruppe Erinnerungsorte

Die Landwirtschaft war in Brütten lange die hauptsächliche Existenzgrundlage. Sichtbar ist dies noch heute in der Architektur und der Ausstattung der Häuser, wie dem «Jochehaus». Es wurde im 17. Jahrhundert erbaut und mehrmals baulich ergänzt.

Die Anzahl der im Dorf ansässigen Familien war zu dieser Zeit übersichtlich. Die heute noch geläufigen Namen wie Baltensperger, Bosshart, Egli und Morf waren bereits damals verbreitet. Weil oft mehrere Personen den gleichen Vor- und Nachnamen trugen, etablierten sich Beinamen, die sich von Familie zu Familie vererbten. Der Name «Joche» geht wohl auf einen solchen Beinamen zurück.

Die Inschrift «HT 1731» an der 1731 erbauten Scheune beim «Jochehaus» ermöglichte ein Abladetenn mit einem grösseren Kuhstall und Heustock. Zudem entstand Platz für eine zweite Wohnung. (Bild: Annina Sandmeier)

Veränderungen der landwirtschaftlichen Produktion

Bis Ende des 18. Jahrhunderts war die Dreifelderwirtschaft und der Anbau von Getreide in Brütten vorherrschend, bevor dann – auch durch Überzeugungsarbeit des damaligen Pfarrers David Kitt – Kartoffeln angepflanzt wurden. Im 19. und 20. Jahrhundert gewann wie vielerorts die Vieh- und Milchwirtschaft an Bedeutung. Mit der Mechanisierung verschwanden «leider auch die gemütlichen Stunden bei der Heu- und Getreideernte», wie die «Geschichte der Gemeinde Brütten» von 1972 etwas wehmütig berichtet.

Gemeinsames Mähen in Brütten mit Sense um 1920. Die Heuernte begann jeweils um 3 bis 4 Uhr. Frauen, Kinder und Jugendliche brachten Essen und Trinken für die Pausen und halfen beim Heuwenden und Abtransport. (Bild: Hansueli Kägi)

Neuaufteilung durch Melioration

Prägend für die Landwirtschaft in Brütten war die ab 1963 durchgeführte und 1971 abgeschlossene Gesamtmelioration. Die Zusammenlegung der Güter erlaubte eine rationellere Bodennutzung, sie weckte Fortschrittsglauben, aber auch Existenzängste. 1963 gab es 48 Landwirtschaftsbetriebe mit rund 550 Parzellen, die zum Teil über Generationen zum Familienbesitz gehört hatten und nun die Hand wechselten. Sechs Bauernfamilien verliessen das Dorf und siedelten aus. Die Miststöcke verschwanden aus dem Dorfbild. 2018 gab es in Brütten noch 21 Betriebe im ersten Wirtschaftssektor und 71 Beschäftigte.

Titelbild: Das «Jochehaus» im Oberdorf. Es ist ein gut erhaltenes, für die Region typisches sogenanntes Dreisässenhaus, ein Mehrzweckgebäude mit Wohnbereich, Stall und Scheune. (Bild: Wikimedia Commons, Fundriver)