Die Kirche – Brüttens Wahrzeichen

Die Kirche von Brütten liegt am nördlichen Rand des Dorfs, wirkt aber trotzdem, als ob sie sein Zentrum wäre. Der markante Bau aus Lägern-Kalkstein mit seinem imposanten Turm wurde 1908 eingeweiht. Die Geschichte des Gotteshauses beginnt aber schon tausend Jahre früher.

von Cornel Dora, Historiker und Mitglied der Arbeitsgruppe Erinnerungsorte

Die Errichtung einer Kirche am Abhang des Buck im Frühmittelalter und die Bildung des Oberdorfs um sie herum prägt die bauliche Entwicklung der Gemeinde Brütten bis heute. Weil das Gotteshaus im Mittelalter dem heiligen Gallus geweiht war, ist anzunehmen, dass seine Anfänge in die Zeit um 900 fallen, als das Kloster St. Gallen im Ort wichtigster Grundherr war. Im Jahr 979 ist dann erstmals die Zugehörigkeit zum Kloster Einsiedeln bezeugt, das während fast neun Jahrhunderten, bis 1834, in der Gemeinde eine wichtige Rolle spielte.

Die alte Kirche

Ursprünglich befand sich an der gleichen Stelle ein kleineres Holzkirchlein, das von Westen nach Osten ausgerichtet war. Später wurde ein Steinbau errichtet, der immer wieder den sich wandelnden Bedürfnissen angepasst wurde. Bemerkenswerte Malereien wurden bei der Reformation übermalt und kamen beim Abbruch der Kirche 1907 wieder zum Vorschein.

Die 1907 abgebrochene alte Kirche von Brütten reichte in ihrer baulichen Substanz ins Mittelalter zurück. Sie war gegenüber der heutigen Kirche um 90 Grad im Uhrzeigersinn gedreht. Foto: Otto Rutschmann, um 1900, Winterthurer Bibliotheken, Sammlung Winterthur 59311 D.

Die heutige Kirche

1908 wurde die alte Kirche durch einen Neubau des Architekturbüros Rittmeyer und Furrer aus Winterthur ersetzt. Der weithin sichtbare Kirchturm aus gelblichem Lägern-Kalkstein setzte einen kräftigen neuen Akzent im Dorfbild. Der Kirchenraum ist geschmackvoll ausgestattet und zeigt den Einfluss des Jugendstils, etwa beim Taufstein, den Fenstern, und den dekorativen, 1920 nach der Elektrifizierung hinzugefügten Deckenlampen. Die Orgel und die Kanzel wurden aus dem Vorgängerbau übernommen. Künstlerisch bemerkenswert sind die Glasfenster. Die Entwürfe dazu stammen vom Winterthurer Künstler Carl Montag (1880–1956).

Titelbild: Martin Kuhn