Der Franzosenbrunnen

Er ist nicht nur ein schöner Aussichtspunkt, sondern auch ein Symbol für die Bedeutung des Wassers und ein Mahnmal für eine der schwersten Zeiten, die Brütten erlebt hat: der sogenannte Franzosenbrunnen. Der Name erinnert daran, dass 1798 bis 1800 wechselnde Truppen in Brütten stationiert waren und die Gemeinde schwer belasteten.

von Cornel Dora, Historiker und Mitglied der Arbeitsgruppe Erinnerungsorte

Der am östlichen Rand der Gemeinde im Hubacker gelegene Franzosenbrunnen gilt als besonders sicherer Wasserlieferant. Seit 1962 in einen Holztrog gefasst, liegt er direkt am steilen Abhang nach Töss. Von hier bietet sich ein schöner Ausblick auf Winterthur. Der Name Franzosenbrunnen erinnert an die Schlacht um die Steig vom 27./28. Mai 1799, bei der sich hier französische Truppen gegen die Österreicher verschanzt hatten.

Der Franzosenbrunnen spendet nicht besonders viel Wasser, aber dafür zuverlässig. Foto: Cornel Dora

Brütten war in der Franzosenzeit nicht nur Kriegsschauplatz, sondern litt auch sehr unter Truppeneinquartierungen. Hier lagerten zunächst ab dem 12. Mai 1798 die Franzosen, dann ab dem 28. Mai 1799 die Österreicher, die im darauffolgenden September durch die Russen abgelöst wurden, ehe nach der zweiten Schlacht bei Zürich vom 25./26. September 1799 bis in die Wintermonate wieder die Franzosen einrückten. In dieser Zeit logierte der französische General Michel Ney einige Wochen im Brüttener Pfarrhaus. Ney gehörte zu den wichtigsten französischen Militärs, wurde aber nach der Schlacht von Waterloo 1815 hingerichtet, weil er die Rückkehr Napoleons an die Macht entscheidend unterstützt hatte.

General Michel Ney, um 1805. Gemälde von François Gérard. Foto: Christie’s

Jede der erwähnten Besatzungen war aufs Neue mit der Ausbeutung des Dorfs verbunden, das dadurch verarmte – nicht nur, weil die Soldaten die Vorräte plünderten, sondern auch weil sie im Wald rücksichtlos Holz schlugen und ihn dadurch auf Jahrzehnte hinaus schädigten.

Der Kirchenbucheintrag zu Jakob Keller, der am 29. Mai 1799 von plündernden österreichischen Soldaten vor seinem Haus erschossen wurde. Zürich, Staatsarchiv, E III 17.8, Bl. 4. Foto: Staatsarchiv Zürich

In dieser Kriegszeit kam es auch zu schlimmen Gewalttaten an den Einwohnern. So wurde Jakob Keller, der Besitzer des damals noch zu Brütten gehörenden Hofs Breite, von plündernden österreichischen Soldaten erschossen und eine Witwe aus der Familie Tryndler von einem französischen Soldaten vergewaltigt. Auch an sie erinnert der Franzosenbrunnen.

Titelbild: Blick vom Franzosenbrunnen nach Winterthur. Foto: Martin Kuhn