Der «Buck» – Mittelpunkt des Kantons Zürich

Auf dem Buck ist die Aussicht auf Alpen und Weiler so atemberaubend, dass gar ein österreichischer Erzherzog hier sein Schloss errichten wollte. Für die amtliche Vermessung ist der Buck zudem ein wichtiger Ort.

«Wär’ ich ein Schweizer, so baute ich mir hier ein Schloss», soll der österreichische Erzherzog Karl 1799 auf dem Buck ausgerufen haben.[1] Er stand inmitten einer blutigen Schlacht. Das war zur «Franzosenzeit», als Napoleon als Oberbefehlshaber der französischen Armee die Koalitionskriege führte und auch Brütten die Not des Kriegs mit Hunger und Elend erlebte.[2] Der Buck, eine Bezeichnung für eine kleine rundliche Anhöhe,[3] ist auch unter dem Flurnamen Bäntenbüel[4] bekannt. Spaziergänger geniessen hier ein eindrückliches Panorama vom Säntis in der Ostschweiz bis zum Berner Dreigestirn Eiger, Mönch und Jungfrau. Auf dem Bruck trifft sich die Brüttener Bevölkerung jedes Jahr zum Nationalfeiertag bei weithin sichtbarem Höhenfeuer.

Erzherzog Karl mit der Fahne des Regiments Zach in der Schlacht bei Aspern 1812. Gemälde von Johann Peter Krafft, HGM.

Zuzug aus Bern

Vom Buck aus ist nicht nur die Aussicht nach Süden auf die Alpen wunderschön. Auch die zu Brütten gehörenden Weiler Birch, Strubikon und Eich im Westen und Norden können gut überblickt werden. Um 1900 siedelten sich in den Weilern Berner Familien an. Sie fanden hier als Bäuerinnen und Bauern eine neue Heimat. Denn im Kanton Bern war es vielerorts üblich, dass der jüngste Sohn den gesamten elterlichen Bauernhof erbte und die Geschwister ein anderes Auskommen finden mussten.[5] Im Eich stammten eine Zeit lang vier von fünf Familien, so etwa die Familien Bieri oder Junker, ursprünglich aus dem Kanton Bern.[6]

Zentrum für die Vermessung

Auf dem Buck befindet sich ausserdem das geodätische Zentrum des Kantons Zürich. Mitte des 19. Jahrhunderts, als die Schweiz mittels Triangulation, also in Dreiecken, vermessen wurde, entstand hier ein  Triangulationspunkt zweiter Ordnung.[7]

Weil der Buck so wichtig für die Vermessung war, musste die Gemeinde Anfang des 20. Jahrhunderts den Neubau der Kirche anders planen und Teile des Friedhofs verlegen. Um 140 Gräber wurden verlegt, um die Visierlinie Brütten-Hörnli nicht zu unterbrechen.[8]

Plan von 1907 mit dem Triangulationspunkt auf dem Buck, der Visierlinie und den Grundrissen der alten und neuen Kirche. Bild: StAZH Plan U 37.

Eine Metallpyramide markierte den Triangulationspunkt, bevor sie 2012 durch einen Vermessungspfeiler, gestaltet vom Bildhauer Ueli Thalmann aus Embrach, ersetzt wurde.


[1] Vogel, Friedrich: Memorabilia Tigurina oder Chronik der Denkwürdigkeiten der Stadt und Landschaft Zürich. Zürich 1841, S. 74.

[2] Geschichte der Gemeinde Brütten, S. 72.

[3] Bandle, Oskar: Die Naturlandschaft im Lichte der Flur- und Ortsnamen, in: Nyffenegger, Eugen; Graf, Martin H.: Die Flurnamen des Kantons Thurgau. Bd. 2.1. Frauenfeld, Stuttgart, Wien 2007, S. 75-91, hier S. 78. Vgl. Buck im Schweizerischen Idiotikon Bd. IV, S. 1139f.

[4] https://search.ortsnamen.ch/de/record/7007722/.

[5] Zopfi, Wandel im ländlichen Leben: eine sozialökonomische und sozialpsychologische Untersuchung, in: Berner Zeitschrift für Geschichte und Heimatkunde 37 (1975), S. 17.

[6] Gespräch mit Willi Junker, 13. März 2019.

[7] Die Triangulation IV. Ordnung des Kantons Zürich, Schweizerische Geometer-Zeitung 9 (1911), S. 255. Vgl. Amtliche Vermessungswerke Bd. 1, Geschichte und Grundlagen, S. 20f.

[8] StAZH MM 3.23 RRB 1909/0131, Triangulation, Signal Brütten, 22.01.1909, vgl. auch Kägi, Brütten.