Wenn es zu viele Hans Baltensperger gibt…
…dann braucht es Beinamen. In Brütten trugen und tragen teilweise bis heute Personen mit dem gleichen Familiennamen auch den selben Vornamen. Da drängte sich schon vor Jahrhunderten eine weitere Unterscheidung auf, und so kamen die Übernamen oder Beinamen auf, die oft über Generationen weitergegeben wurden. Jakob Moor, der von 1872 bis 1897 in Brütten als Lehrer tätig war, hat dem Thema Ende des 19. Jahrhunderts ein humorvolles Gedicht gewidmet.
Vo Bynäme innere höchere Gmeind
Bi Züri innere höchere Gmeind,
sind chlini und grösseri Buure vereint,
die händ sit viele, viele Johre,
ihri aghänkte Bynäme verlore,
die set me wieder füre näh,
so chas dänn öppis z’lache gäh.
Die meischte Gschlechter heisset B.
Nu eine isch furt, wit übere an See,
drei hätts, sie trägets B mit O,
es sei ihne wöhler debi, eso.
Mit I häts zwee, dänn häts aber no E
und G nu eine, aber dann M S G W.
Churz, will men alli känne sett,
gyt me jedem en Byname nett.
De Stammvater vo vilne B, en Joachim
hätt zäh Chind gha, die händ gheisse nach ihm,
die halb Gmeind isch mit s’Joche verwandt,
hüt trägets drei vier Näme mitenand.
Also de Steigacher, de Steigjokeb und de Ruedi,
de Brüehlacher und de Hanschueri,
s’Bürlis, Eglihansheiris, de Forschterhans,
s’Präsidente, s’Jsacke, Eglichasper, de Forschterchappi,
mit em chrume Muul, de grob Tappi,
de Weber Jokeb, s’Strässler, de Muurergusti.
Obedra de Vogtchasper, de Schreiner Christe,
wo macht für jede di letscht Chiste.
Dänn’s Muurehanseheiris im Doppelhuus,
s’Neupuure im Hinderhus.
«Hätt’s sölle bränne im Schöpfli änne?»
De Bahnwächter seit, – dass es so groche heig,
was, was, wer tuet d’Verlümdig waage?
«Du Narr, I ha di nu welle frage!»
Im Egge trohnet s’Friedesrichters,
s’Salis, de Chasperli, de Chillepur,
«Daniel hatte einen Tupf, Wegknecht, wo bist du nur?»
Z’letscht staht im Hof en Acher, es verlasses Wirtshuus,
spöter machets es Bombegschäft drus,
bis em gaht der Atem us.
Dänn häts no zwo Abstammige von ere Sara,
de Schmied Gehri tuet de Durst gern tare,
s’Schuehmacherchueris, de Bülijoggi,
sind unne am Närli Ruedi,
de Wächter Tonni, de Joche Wagner,
de Murehans mit siner Tochter,
de Murer- und de Chueferuechel,
Gottstrammi seit er, dä ander hätts z’mache.
S’Bezirksrote, der Armepfleger, was chasch mache,
sie wohned grad eso näbed nah.
Über ihne de Forschterheiri, s’Burgers, de Zimmermaa,
de Bahnwächter und de Wirt Horber änne dra.
S’Chillepflegers im Doppelhuus,
chömed mitenand nüt guet us,
zirka s’halb Würstli, sie tüend halbiere,
wie mues me derigi Buure taxiere?
Im Schuelhuus werdet bis Moore glehrt.
S’Gmeindammes händ zun Metzgere ghört.
Nebet zue wohnt der Amtsförschter, en richtige Maa,
Respeckt han i über cho, wen i de gseh ha,
die cheibe Chrottekerli, wenn i die verwütsche,
aber s’isch nie cho zum zemme tütsche.
S’Zunftrichters und de Hägglivogt, schlüsset ab.
Obe s’Glasers, d’Röslibab, der Altorferchnab,
links de Baumerhans, de Menschehüeter,
de Nagler Johann, de Bezitlüter.
Im Armehuus, wer det obe wohnt,
die schlüsset ab de Horizont.
De Richterschaggi und de Heiri sind recht ghebig,
händ en Spruch über cho, ganz gäbig:
«In diesem Haus wohnt Teufelsgwalt,
isch vorne neu und hinne alt,
hetts Spis und Trank nüt groue,
hättits hinne au neu boue.»
Dänn Stäffes, de Büehler und de Wagner Wyss
wohnet zämme in eim Huus.
Au de Joche Albert und de David zämme,
buured grad no überänne.
Im chline Hüüsli gägem Spitz,
hätt gwohnt de Chüefermaler Fritz.
S’Jörre Aberhämmels sind im Egge,
de Botteschreiner mit sim Brüeder, dem Wegge.
De Binder Müller, der Iseche Schnyder schlüsset wieder ab.
Dänn hämers, jetzt gohts bergab.
Am Rätschholderreih, staht na es Huus,
es hät es hystorisches Füürli gäh drus.
De Birchgottlieb und de Heiri,
mit sim guete liebe Mareili.
Dem Heinijoggel hät de gröschti Sack Kerne en Zweck,
für e par Schiffere treit eren zum Beck,
so wiit würd hüt nüd mänge träge,
das chame nur von alte säge.
S’Vordere, und der Egli Salomo,
de Ruef hät bald de Blind dann gnoh,
s’Chüeris und der Eichlihans hi hi,
mit sim abekeuete Pfiffeli.
S’Wegmes det na obre dra,
dethinne chömer wieder gah.
Vom Dörfli dänn no unne dure,
hammer nu na chlini Buure.
De Büechli Robert, de Buechmes Jokeb,
der Yfang Johann, vom Joche de gröscht
und bärtigscht Maa.
Jetzt no de Moosbuur, vorne ie,
er ischt au gloffe uf de Määrt öppedie.
Jetzt bin ich mit dänne Näme durre,
und wann ich eine kränkt hett,
würd ich’s beduure.
Die meischte sind zwar scho gschtorbe,
ob si selig sind oder verdorbe,
das gseh mer denn,
wenn mir dra chömed.
Vorher mir jetzt no es Glesli nämed.
Da oft mehrere Angehörige des gleichen Geschlechts den selben Vornamen trugen, drängte sich eine weitere Unterscheidung auf, und so kamen die Übernamen oder Beinamen auf, die sich oft von Familie zu Familie vererbten. Mit B im Text sind die Namen Baltensperger und Bosshart gemeint, mit E der Name Egli und mit I der Name Indergand.
Autor: Jakob Felix Moor-Schneider, 1836 – 1897, aus Steinmaur, eingebürgert 1884 in Brütten
Titelbild: Übersicht zu Nachnamen in Brütten in „Geschichte der Gemeinde Brütten“ aus dem Jahr 1972, Seite 213