Brütten und das Kloster Einsiedeln

«Das fürstliche Kloster Einsidlen». Federzeichnung um 1700, vor den barocken Neubauten. Foto: Graphische Sammlung der ETH Zürich (Ausschnitt).

Mehr als 850 Jahre lang, von 979 bis 1834, spielte das Kloster Einsiedeln in Brütten als Grundherr eine wichtige Rolle. Das schmucke Pfarrhaus, die Zehntenscheune und das Sechthaus sind bis heute sichtbare Zeichen dieser Beziehung.

Am Anfang der Einsiedler Präsenz in Brütten steht ein am 15. Januar 979 von Kaiser Otto II. bestätigter Gütertausch, durch den der ursprünglich st. gallische Besitz in Brütten ans Kloster Einsiedeln übergeben wurde. Der Tausch betraf auch die Kirche von Brütten und den Seelsorger Ruotcilinus «mit allen seinen Söhnen».

«Unterm Krummstab ist gut leben» lautet eine alte Redensart. Sie spielt darauf an, dass geistliche Herren meist vergleichsweise gut für ihre Untertanen sorgten. Brütten hatte im Herrschaftssystem des Klosters Einsiedeln eine wichtige Stellung, denn hier befand sich nicht nur ansehnlicher Grundbesitz, sondern auch ein sogenannter «Dinghof». Von diesem aus verwaltete vom 14. bis 18. Jahrhundert ein klösterlicher Beamter das Amt Brütten mit den Besitzungen in der Region. Einsiedeln besass in der Gemeinde zeitweise nicht weniger als zehn teils stattliche Höfe. Der Abt setzte zudem die Pfarrer ein.

Pfarrhaus (rechts, erbaut 1686) und Zehntenscheune (links, erbaut 1616/1837), dahinter der Kirchturm (erbaut 1908). Foto: Gemeinde Brütten.

Trotz der Glaubensspaltung im 16. Jahrhundert behielt das Kloster seine Stellung als wichtigster Grundherr. Der inzwischen reformierte Pfarrer wurde nun zwar von Zürich ernannt, aber nach wie vor vom Abt von Einsiedeln eingesetzt und auch besoldet. Zur endgültigen Ablösung kam es 1834, als der Kanton Zürich die Besoldung des Pfarrers und damit auch das Recht zu seiner Einsetzung übernahm. Gleichzeitig kaufte sich die Gemeinde von allen Grundzinsen und Zehnten los.

Noch heute sichtbare Zeugen der Beziehung des Klosters Einsiedeln mit Brütten sind das Pfarrhaus (1686), die gegenüberliegende ehemalige Zehntenscheune (1616, erweitert 1837) und das östlich davon gelegene Sechthaus (1635), das als Wasch- und Holzhaus diente. Die schönen gelb-schwarzen Fensterläden des Sechthauses erinnern an die achteinhalb Jahrhunderte Verbindung mit Einsiedeln.

Das Sechthaus, in dem gewaschen und Holz gelagert wurde. Die Fensterläden sind noch immer in den Wappenfarben des Klosters Einsiedeln – gelb und schwarz – bemalt. Foto: Cornel Dora.